Ich habe das nie gewollt!

Willkommen auf meinem Blog!
Ich bin der Deitermann. Du darfst aber auch gerne Daniel zu mir sagen, denn wir wollen hier wie unter Freunden reden. Das ist ein bisschen schwer geworden im Internet, wo allzu oft, so scheint es mir, nur noch deine Worte darauf abgescannt werden, ob sich in negativst möglicher Auslegung jemand von ihnen angegriffen fühlen könnte. Aus diesem Worst-Case-Könnte wird dann ganz schnell niederträchtige Absicht unterstellt. „Wie hast du das gemeint?“ wird vor dem Lospoltern dann nur noch selten gefragt. Das ist schade und behindert nuancierte Diskussionen. Ich möchte das nicht. Wenn ich Aussagen oder Situationen auf mehrere Arten deuten kann, will ich sie zumindest so lange wohlwollend neutral deuten, bis sich die Anzeichen für Schlechteres verdichten.

In der Aufmerksamkeitsökonomie der Blogosphäre oder generell in sozialen Medien hat sich allerdings gezeigt, dass maximale Empörung auch zu maximaler Aufmerksamkeit führt. Warum soll man sich auch nicht im Dienst einer guten Sache empören? Das ist doch gerade Zivilcourage. If you see something, say something! Denn gut ist, wer mit maximaler Lautstärke auf Schlechtes zeigt. Nicht wahr?

Zielsetzung: nuancieren statt eskalieren

Naja, schon irgendwie, nur bringt das mit der maximalen Lautstärke ein paar Probleme mit sich, weil es auf Dauer unsere ganze Diskussionskultur taub macht. Von allen Seiten werden wir mit Sprachbildern der Katastrophe bombardiert. Selbst einfache politische Gegenreden kriegen in Video-Titeln auf YouTube standardmäßig Verben der Eskalation aufgestempelt: So zerstört Rezo die CDU und es wird nicht mehr widersprochen, sondern gleich zerrissen, rasiert und gedemütigt.
Zugleich klingen die Reaktionen auf kleine Fehltritte nicht mehr viel anders als bei großen Ungeheuerlichkeiten. Doch weil die großen Storys schon von so vielen anderen beackert werden, sucht man sich – denn man will ja nicht im Getöse untergehen – gerne die Kleineren heraus und erklärt empört, warum diese (und zugleich man selbst) doch viel beachtenswerter sind. Und so gerieren sich viele aktivistische Blogger, YouTuber und Twitterer wie hochspezialisierte Trüffelschweine, die auch tief, tief unter der Oberfläche noch einen Dufthauch von Homophobie und diversen -Ismen wittern können, um diese dann stolz vor aller Augen auszubuddeln. Das hat ja auch seinen Wert, keine Frage. Es wird nur halt schnell sehr kleinteilig und verbissen, wenn das Kleine dann immer ganz groß erscheinen muss.

Mich mit in diese Schützengräben zu werfen, erschien mir nie als meine Mission. Darum habe ich trotz so einiger, lieber Ermunterungen, dass sei doch was für mich, lange gezögert, einen Blog anzufangen.
Jetzt mache ich es doch. Dann aber gleich mit diesem Disclaimer, nicht immer ins selbe Horn der Berufsempörten blasen zu wollen. Bevor diese Begrüßungsrede aber endgültig zum Manifest über den Niedergang der Diskussionskultur ausufert und damit genau die Art von Anstrengend ist, die ich hier vermeiden möchte, will ich lieber einen Ausblick geben, was für Content hier kommen sollen.

Bloggen nach Inspiration statt enger Themenpassform

Ich bin medien- und politikinteressiert, auf Verlagssuche für meinen Roman und schwul. Und weil ich meine Gedankenkreise nicht auf nur einen dieser Aspekte einboxen möchte, heißt das Ding hier erst mal DeiterBLOG. Es wird einige der heiß diskutierten Eisen aus dem Bereich LGBT-Aktivismus und Gleichstellungskampf geben, aber ganz vorsätzlich ohne allzu wütende Schnappatmung. Manchmal werde ich die vielleicht bei anderen provozieren, wenn ich aus einem vermeintlichen Aufreger die Luft rauslasse. Zur Entspannung gibt es dann auch mal den ein oder anderen Exkurs über Storytelling quer durch die verschiedenen Medien. Wenn es dann soweit ist, werde ich hier außerdem schamlos den Release von meinem Roman promoten.

Viele der Blogeinträge drehen sich bis dahin sowie schon um Themen, die ich darin angerissen, aber nicht komplett ausgerollt habe. So ein Essay kappt zu schnell den Handlungsfluss. Außerdem will ich meinen Charakteren erlauben, andere Sichtweisen zu haben, als ich selbst – auch kontroverse. Ich schreibe hier also zugleich an meinem Alibi. Denn garantiert wird der Moment kommen, an dem ich für Äußerungen meiner Figuren angeklagt werde von genau der Art Leute, die nicht zwischen Autor und Erzähler differenzieren wollen, weil ihnen das ja sonst einen schönen Aufreger kaputt machen würde. Blogger halt. Eigentlich wollte ich ja was vernünftigeres werden. Nun schauen wir mal, ob beides zusammen geht.

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